Wein selber machen aus Trauben oder Traubensaft - so geht es

Die eigenen Weintrauben sind reif, die erste größere Ernte steht an – und plötzlich kommt die Frage: Kann ich daraus eigentlich selbst Wein machen? Ja. Wenn du gesunde, reife Trauben hast, kannst du daraus mit überschaubarer Ausstattung deinen eigenen Wein herstellen.

Vom frisch gepressten Traubensaft bis zum fertigen Wein sind allerdings einige Schritte notwendig. Vor allem bei der ersten eigenen Weinbereitung lohnt es sich, sauber und sorgfältig zu arbeiten. Hier erklären wir dir den Ablauf verständlich und ohne unnötiges Fachchinesisch.

Kann man aus Traubensaft Wein machen?

Ja – wenn es sich um frisch gepressten Traubensaft aus reifen Weintrauben handelt. Genau das ist die Grundlage der Weinbereitung: Hefen vergären den im Traubensaft enthaltenen Zucker. Dabei entstehen vor allem Alkohol und Kohlendioxid.

Wichtig: Für diese Anleitung meinen wir mit Traubensaft immer frisch gepressten Saft aus Weintrauben. Handelsüblicher Traubensaft aus Flaschen oder Getränkekartons ist in der Regel bereits erhitzt beziehungsweise haltbar gemacht und für diese Art der Weinbereitung nicht vorgesehen. Wenn du deinen ersten eigenen Wein herstellen möchtest, arbeite deshalb mit frisch geernteten Trauben oder unmittelbar daraus gewonnenem Traubensaft.

Besonders schön ist natürlich die eigene Ernte. Wenn du erst mit dem Anbau beginnen möchtest, findest du bei uns Weinreben für den eigenen Garten. Viele unserer Reben eignen sich nicht nur zum Naschen, sondern ihre Trauben lassen sich auch zu Saft oder für eigene Weinversuche verwenden.

Was brauchst du, um Wein selber zu machen?

Für einen ersten Versuch brauchst du keine komplette Kellereiausstattung. Einige Dinge sind jedoch wichtig:

  • Gesunde und möglichst reife Weintrauben oder frisch gepressten Traubensaft
  • Einen geeigneten, lebensmittelechten Gärbehälter
  • Einen passenden Gäraufsatz beziehungsweise ein Gärröhrchen
  • Geeignete Weinhefe
  • Saubere Gefäße, Schläuche und Arbeitsgeräte
  • Ein Mostgewichtsmessgerät, beispielsweise eine Oechslewaage oder ein Refraktometer
  • Saubere Flaschen für den späteren Wein

Sauberkeit ist bei der Weinbereitung besonders wichtig. Alles, was mit Trauben, Most oder Wein in Berührung kommt, sollte gründlich gereinigt und für Lebensmittel geeignet sein.

Schritt 1: Reife und gesunde Trauben ernten

Guter Wein beginnt nicht erst im Gärbehälter. Entscheidend sind die Trauben. Verwende möglichst reife und gesunde Früchte und sortiere faule, schimmelige oder stark beschädigte Beeren konsequent aus.

Wie süß eine einzelne Beere schmeckt, reicht zur Beurteilung nicht unbedingt aus. Wer genauer arbeiten möchte, misst das Mostgewicht. Es gibt einen Hinweis darauf, wie viel Zucker im Traubensaft vorhanden ist und welches Alkoholpotenzial der Most besitzt.

Du hast noch keine eigenen Reben? In unserer Auswahl findest du unter anderem pilzwiderstandsfähige Weinreben, die für den Anbau im eigenen Garten besonders interessant sein können.

Schritt 2: Trauben vorbereiten und Saft gewinnen

Entferne zunächst ungeeignete Trauben und grobe Pflanzenteile. Anschließend werden die Beeren zerquetscht. Dabei entsteht die sogenannte Maische aus Saft, Fruchtfleisch, Schalen und Kernen.

Wie es danach weitergeht, hängt davon ab, welchen Wein du herstellen möchtest.

Weißwein selber machen

Für einen einfachen Weißwein werden die Trauben in der Regel gepresst und der gewonnene Most anschließend vergoren. Schalen und Kerne werden also weitgehend vom Saft getrennt, bevor die eigentliche alkoholische Gärung beginnt.

Rotwein selber machen

Bei Rotwein läuft ein wichtiger Teil anders: Hier wird üblicherweise die Maische vergoren. Während dieser Maischegärung lösen sich unter anderem Farbstoffe und weitere Bestandteile aus den Beerenschalen. Erst später wird abgepresst.

Deshalb ist „Trauben zerdrücken, Saft abpressen und Hefe dazugeben“ nicht für jeden Weintyp die richtige Vorgehensweise.

Schritt 3: Mostgewicht prüfen

Bevor die Gärung beginnt, lohnt sich eine Messung des Mostgewichts. In Deutschland wird dafür traditionell die Einheit Grad Oechsle verwendet.

Das Mostgewicht gibt vereinfacht gesagt Auskunft darüber, wie viele gelöste Stoffe – vor allem Zucker – im Most vorhanden sind. Daraus lässt sich das mögliche Alkoholpotenzial abschätzen.

Gerade Hobbywinzer sollten nicht einfach nach Gefühl Zucker in den Most geben. Ob eine Anreicherung sinnvoll oder überhaupt zulässig ist, hängt unter anderem vom Ausgangsmost und den rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

Schritt 4: Die Gärung starten

Nun beginnt der Schritt, bei dem aus Traubensaft tatsächlich Wein wird. Hefen nutzen den vorhandenen Zucker und wandeln ihn während der alkoholischen Gärung hauptsächlich in Alkohol und Kohlendioxid um.

Für einen kontrollierbaren ersten Versuch ist eine geeignete Weinhefe meist einfacher als sich ausschließlich auf spontan vorhandene Hefen zu verlassen.

Fülle den Most in einen geeigneten Gärbehälter. Dieser darf nicht randvoll sein, denn während einer aktiven Gärung entstehen Kohlendioxid und je nach Ansatz auch Schaum. Verschließe den Behälter mit einem geeigneten Gärverschluss, durch den das entstehende Gas entweichen kann.

Warum bei der Gärung Alkohol entsteht und wie Zucker, Hefe und Alkoholgehalt zusammenhängen, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag Alkohol im Wein: Wie entsteht er?.

Schritt 5: Temperatur während der Gärung beachten

Die passende Gärtemperatur lässt sich nicht sinnvoll mit einer einzigen Zahl für jeden Wein angeben. Weißwein und Rotwein werden häufig unterschiedlich vergoren, und auch die verwendete Hefe spielt eine Rolle.

Orientiere dich deshalb an den Angaben des Herstellers deiner Weinhefe und vermeide starke Temperaturschwankungen. Zu niedrige Temperaturen können die Gärung verlangsamen oder zum Stillstand bringen. Zu hohe Temperaturen können die Hefe belasten und die spätere Weinqualität beeinträchtigen.

Wie lange dauert es, bis aus Traubensaft Wein wird?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Eine kräftige Gärung kann bereits nach wenigen Tagen deutlich nachlassen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Wein fertig ist.

Die Dauer hängt unter anderem von Zuckergehalt, Hefestamm, Temperatur, Nährstoffversorgung und gewünschtem Weinstil ab. Verlasse dich deshalb nicht allein darauf, ob das Gärröhrchen noch blubbert.

Schritt 6: Nach der Gärung den jungen Wein abziehen

Nach der Gärung setzen sich Hefe und andere Trubstoffe am Boden des Gefäßes ab. Der junge Wein wird anschließend vorsichtig in ein sauberes Gefäß umgefüllt, ohne den Bodensatz unnötig aufzuwirbeln. Diesen Vorgang nennt man Abziehen.

Je nach Wein und Verlauf können weitere Arbeitsschritte notwendig sein. Auch jetzt bleiben Hygiene und ein möglichst sorgfältiger Umgang wichtig.

Schritt 7: Klären und reifen lassen

Junger Wein ist unmittelbar nach der Gärung häufig noch trüb und geschmacklich wenig entwickelt. Gib ihm Zeit. Während der weiteren Lagerung können sich zusätzliche Trubstoffe absetzen und der Geschmack verändert sich.

Wie lange diese Phase dauert, hängt stark vom jeweiligen Wein ab. Eine pauschale Regel wie „einige Wochen warten und dann abfüllen“ wäre deshalb zu einfach.

Schritt 8: Erst sicher abfüllen

Bevor du deinen selbst gemachten Wein in Flaschen füllst, muss sichergestellt sein, dass keine unerwünschte weitere Gärung in der verschlossenen Flasche stattfindet. Ein Gärröhrchen, das nicht mehr blubbert, ist dafür allein kein sicherer Nachweis.

Bei noch vergärbarem Zucker und aktiver Hefe kann sich in einer verschlossenen Flasche Kohlendioxid bilden. Dadurch entsteht Druck. Deshalb solltest du einen Wein nicht vorschnell abfüllen.

Kann man aus jeder Weintraube Wein machen?

Grundsätzlich können viele Weintrauben vergoren werden. Trotzdem ist nicht jede Rebsorte gleichermaßen für die Weinbereitung gedacht oder geschmacklich dafür interessant.

Tafeltrauben werden vor allem auf angenehmen Geschmack beim direkten Essen, große Beeren und häufig wenige oder keine Kerne gezüchtet. Klassische Keltertrauben besitzen andere Eigenschaften. Auch unter unseren Weinreben gibt es deshalb unterschiedliche Sorten und Verwendungsmöglichkeiten.

Wenn du eine Rebe bei uns gekauft hast und nicht mehr weißt, welche Sorte bei dir wächst, schau am besten zuerst auf dein Pflanzenetikett oder deine Bestellung. Dann lässt sich wesentlich besser einschätzen, was du mit den Trauben machen kannst.

Kann man Wein ohne Weinhefe selber machen?

Eine spontane Gärung ist grundsätzlich möglich, denn auf Trauben und in der Umgebung kommen verschiedene Mikroorganismen vor. Für Einsteiger ist der Verlauf allerdings schwieriger vorhersehbar.

Mit einer geeigneten Reinzuchthefe lässt sich die Gärung normalerweise gezielter führen. Normale Backhefe ist nicht einfach ein gleichwertiger Ersatz für eine zur Weinbereitung ausgewählte Hefe.

Die häufigsten Fehler beim ersten eigenen Wein

  • Unreife, faule oder schimmelige Trauben mitverarbeiten
  • Gefäße und Geräte nicht gründlich reinigen
  • Den Gärbehälter zu voll füllen
  • Zucker ohne vorherige Messung und Berechnung zugeben
  • Eine ungeeignete Hefe verwenden
  • Das Ende der Gärung nur am Gärröhrchen beurteilen
  • Den jungen Wein zu früh in Flaschen verschließen

Vom eigenen Rebstock zum eigenen Wein

Genau das macht eine eigene Weinrebe so spannend: Im ersten Moment pflanzt du sie vielleicht für ein paar Trauben zum Naschen. Einige Jahre später stehst du mit einer vollen Schüssel vor der Küche und überlegst, was du mit der ganzen Ernte anfangen sollst.

Du kannst die Trauben direkt genießen, frisch zu Traubensaft verarbeiten – oder aus einem Teil deiner eigenen Ernte deinen ersten Wein herstellen.

Wenn du weitere Reben pflanzen möchtest, findest du bei uns verschiedene Weinreben für Garten und Terrasse. Außerdem kannst du gezielt nach Reben mit blauen Trauben, Reben mit gelben Trauben oder Reben mit rosa Trauben schauen.

Kurz gesagt

Wein aus eigenen Trauben oder frisch gepresstem Traubensaft selber zu machen ist möglich – aber es ist mehr als Saft, Zucker und Hefe zusammenzugeben. Gesunde reife Trauben, sauberes Arbeiten, die Kontrolle des Mostes und eine zuverlässige Gärung sind die Grundlage. Besonders wichtig: Gib dem jungen Wein Zeit und fülle ihn nicht vorschnell in verschlossene Flaschen.

Und wenn deine erste eigene Ernte dieses Jahr noch nicht für einen ganzen Ballon reicht: Ein kleiner Ansatz ist zum Kennenlernen der Weinbereitung oft mindestens genauso spannend.